
Wie Mittelständler jetzt systematisch Resilienz gegen geopolitische Unsicherheiten aufbauen
Risikomanagement und die Anpassung von Geschäftsstrategien werden zu Existenzfragen
- Geopolitik wird zum Top-Geschäftsrisiko
- Lieferketten sind anfälliger denn je
- Unternehmen sind im Monitoring gefordert
Früher haben viele Unternehmen geopolitische Entwicklungen vernachlässigt und nicht als maßgeblichen Risikofaktor wahrgenommen. Das hat sich geändert, so wie sich auch das politische Klima in der Welt verändert hat, und zwar dramatisch. So ergab eine Studie der Unternehmensberatung KPMG von Dezember 2025: 58 Prozent der deutschen Unternehmen sehen sich stark von geopolitischen Risiken betroffen – aber nur rund ein Viertel verfügt über ein strukturiertes und vorausschauendes Risikomanagement.
Früher waren Geschäftsmodelle stabil, ebenso das Umfeld, man schrieb die Gegenwart einfach in die Zukunft fort. Das reicht spätestens seit dem russischen Angriff auf die Ukraine nicht mehr. Auch der globale Wettbewerb um die technologische Vorherrschaft zwischen den USA und China wird immer intensiver. Er bildet politische Blöcke, die kompromisslos um wirtschaftliche Ressourcen und Wachstumspotenziale konkurrieren. Der internationale Handel mit bestimmten Waren und Technologien wird durch diese Entwicklungen zunehmend erschwert – und droht teilweise sogar völlig zum Erliegen zu kommen.
Immer wieder kommen externe Schocks hinzu: Im Frühjahr 2026 schossen die Preise für Rohöl und Gas wegen innerhalb weniger Tage in die Höhe, Benzin und Dieselpreise waren zeitweise auf Rekordniveau. Expert:innen befürchten eine neue Energiekrise, sollte das noch länger andauern. Deutsche Unternehmen sind bereits dabei, Produktionspläne zu überarbeiten und stellen sich auf massiv steigende Energiepreise oder gar Knappheiten ein. Die Anforderungen ans Risikomanagement steigen. Für echte Resilienz brauchen Unternehmen heute ein neues strategisches Mindset, das geopolitische Risiken kontinuierlich im Blick behält.

Systematisches Management geopolitischer Risiken und Resilienz notwendig
Entscheider:innen müssen sich also systematisch mit dem Management geopolitischer Risiken auseinandersetzen und Anpassungsstrategien entwickeln. Nur so lassen sich die eigene Wettbewerbs- und damit Zukunftsfähigkeit dauerhaft sichern. Denn Resilienz bedeutet, die Handlungsfähigkeit des Unternehmens auch unter extremen Marktbedingungen und Störungen zu bewahren. Ein gut diversifiziertes Portfolio, eine robuste Kapital- und Cash-Flow-Planung, schnelle Entscheidungswege sowie eine Organisation, die Schocks nicht nur absorbieren, sondern auch in Verbesserungen übersetzen kann.
Es ist jedoch schwierig, die Komplexität der aktuellen geopolitischen Veränderungen zu erfassen und sämtliche relevanten Auswirkungen auf die eigene Geschäftstätigkeit korrekt zu prognostizieren. Zudem existieren in vielen Fällen nur begrenzte Möglichkeiten, sich frühzeitig gegen Risikofaktoren zu wappnen. Umso wichtiger ist es, die organisatorische Resilienz proaktiv zu stärken. Notwendige Anpassungen an sich verändernde Rahmenbedingungen sind jedoch in der Regel mit erheblichen Kosten und Investitionen verbunden. Gerade in anhaltenden ökonomischen Krisenphasen, wie derzeit, können diese Belastungen viele kleine und mittelgroße Unternehmen an ihre Handlungsgrenzen bringen.
Internationalisierung von Unternehmen: Praxisbeispiele
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Geopolitische Risiken und ihre Folgen für Unternehmen
Zu den wichtigsten geopolitischen Faktoren, die die Unternehmensaktivitäten beeinflussen können, gehören laut vor allem Zölle, Sanktionen und regulatorische Eingriffe. Die jährliche Befragung von über 3.700 Risikoexpert:innen weltweit hat ergeben: „Änderungen von Gesetzen und Vorschriften" – explizit einschließlich Sanktionen und Zölle – sind auf Platz vier der globalen Top-Unternehmensrisiken. Die Zahl der aktiven Sanktionen ist laut Allianz in den vergangenen Jahren dramatisch gestiegen: Exportbeschränkungen für kritische Rohstoffe haben sich in einem Jahrzehnt verfünffacht. Das kann dazu führen, dass plötzlich Rohstoffe und Vorprodukte fehlen oder ganze Absatzmärkte wegbrechen.
Um finanzielle Risiken zu vermeiden und die Reputation zu schützen, ist es sinnvoll, sich aktiv mit dem eigenen Sanktionsrisiko auseinanderzusetzen und verlässliche Strukturen aufzubauen. Expert:innen sprechen bereits davon, dass die Globalisierung abgelöst werde von Geopolitik. Das bedeutet, dass Unternehmen politischer werden müssen und mindestens ein Monitoring für ihre wichtigsten Märkte brauchen. Die Resilienz-Strategie eines Unternehmens entscheidet darüber, wie gut es mit solchen Schocks umgehen kann.
Geopolitische Entwicklungen werden zunehmend auch für Standortentscheidungen von Unternehmen wichtig. Dabei gilt politische Stabilität zunehmend als wichtigster Faktor. Derzeit gewinnen etwa Indien, Australien, die Mercosur-Staaten und Südostasien an Bedeutung als Investitionsziele, während China verliert. Zum anderen kann auch eine Diversifikation der Lieferketten helfen, die Abhängigkeit von bestimmten Krisenregionen oder problematisch agierenden Ländern effektiv zu verringern.
Anstatt sich nur auf eine Quelle zu verlassen, suchen Unternehmen alternative Lieferanten, vor allem solche, die nicht in Übersee, sondern in Europa produzieren. Dieses Vorgehen wird als Nearshoring bezeichnet. Es bedeutet allerdings auch einen größeren Aufwand. Denn wer mehrere Lieferanten hat, muss auch mehr koordinieren und aufeinander abstimmen. Wer in Unternehmen Verantwortung für das Risikomanagement trägt, sollte also systematisch an der Resilienz der Organisation arbeiten, Lieferketten diversifizieren und ein Monitoring etablieren.
Jetzt handeln: Ihre Resilienz stärken
Geopolitische Risiken sind für Unternehmen jeder Größe zur zentralen Existenzfrage geworden – wer sie ignoriert, riskiert seine Zukunftsfähigkeit und Resilienz. Ein strukturiertes Risikomanagement, diversifizierte Lieferketten und ein kontinuierliches Monitoring geopolitischer Entwicklungen und deren Impact auf die für das Unternehmen relevanten Zielmärkte sind daher keine optionalen Extras mehr, sondern strategische Notwendigkeiten für eine nachhaltige Resilienz. Gerade Mittelständler sollten jetzt proaktiv handeln und Resilienz als dauerhaften Bestandteil ihrer Unternehmensstrategie verankern, bevor der nächste externe Schock sie unvorbereitet trifft.



