
Fünf Mythen rund um die Elektromobilität auf dem Prüfstand
Der Markt für Elektrofahrzeuge im Realitätscheck
Erfahren Sie in unserem Artikel:
- Warum der Ausbau der Ladeinfrastruktur besser vorankommt als oft behauptet.
- Wie E-Fahrzeuge bei den Gesamtkosten (TCO) gegenüber Verbrennern abschneiden.
-
Wie nachhaltig Elektromobilität über ihren gesamten Lebenszyklus wirklich ist.
Auch wenn die EU-Kommission, das EU-Parlament und viele EU-Mitgliedsstaaten für 2035 entschieden haben, dass Flotten keine CO2-Emissionen ausstoßen sollen: Einige Mitgliedsstaaten fordern wieder eine Aufweichung der EU-Flottengrenzwerte. Diese gemischten Signale aus der Politik sorgen für große Verunsicherung. Das gilt vor allem für Unternehmen, die in eine strombetriebene Flotte investieren wollen. Schon aufgrund des hohen Investitionsvolumens für Firmenwagen und Ladeinfrastruktur brauchen sie im Bereich Elektromobilität Planungssicherheit. Wer heute eine E-Flotte aufbaut, will wissen, unter welchen Rahmenbedingungen diese in drei, fünf oder zehn Jahren zu betreiben sind.
Doch es sind nicht nur politische Unwägbarkeiten, die Unternehmen zögern lassen. Rund um das Thema Elektromobilität halten sich hartnäckig Annahmen und Vorbehalte – sie lassen sich aber längst mit fundierten Fakten widerlegen. Fünf weit verbreitete Mythen rund um die Elektromobilität im Faktencheck:
Mythos 1: Elektroautos haben eine geringe Reichweite
Die Reichweite war lange das Standardargument gegen Elektromobilität. Doch strombetriebene Fahrzeuge leisten mittlerweile deutlich mehr: Die aktuell durchschnittliche Reichweite einer Batterieladung liegt bei etwa 450 Kilometern. Je nach Größe und Ausstattung sind sogar Fahrten von bis zu 700 Kilometern oder mehr möglich.
Tatsächlich spielt die Reichweite im Berufsalltag eine weniger wichtige Rolle: Firmenwagen fahren meist Pendelstrecken für Besuche bei Kund:innen im Durchschnitt etwa 20 Kilometer am Tag. Langstrecken ab rund 300 Kilometern bilden eher die Ausnahme. In den meisten Fällen lassen sich Dienstfahrten also auch heute schon ohne Bedenken mit dem E-Auto erledigen. Und: Entwickler:innen arbeiten an immer leistungsfähigeren Batterien. Feststoffbatterien zum Beispiel könnten ab dem Jahr 2030 die Reichweite noch einmal deutlich steigern – auf etwa 1.000 bis 1.200 Kilometer.
Mythos 2: Elektromobilität ist deutlich teurer als Fahrzeuge, mit konventionellen Antriebstechnologien
Ja, laut Listenpreis sind Elektroautos in den Segmenten Klein- und Kompaktwagen noch deutlich teurer. Die Listenpreise von E- und Benzin-Pkw haben sich aber laut des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) seit dem Jahr 2022 besonders in der Mittelklasse angeglichen.
Viel wichtiger aber ist: Für Unternehmen zählt nicht der Listenpreis, sondern die Gesamtrechnung, die Total Cost of Ownership (TCO). Die setzt sich zusammen aus Kosten für Energie, für Wartung und für den Restwert. In der Gesamtkostenbetrachtung hat das Elektroauto bei einer durchschnittlichen Laufleistung von 15.000 Kilometern pro Jahr im Vergleich zum Verbrenner nach nur drei Jahren die Nase vorn, zeigen Berechnungen des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI).
Mythos 3: Es gibt zu wenige Ladepunkte
Laut BDEW gab es in Deutschland Ende des Jahres 2025 etwa 188.000 öffentliche Ladepunkte. Die installierte Leistung beträgt mehr als neun Gigawatt und toppt damit sogar die EU-Vorgaben. Im Vergleich zum Vorjahr stieg die Anzahl der Ladepunkte um etwa 34.000, was einem Zuwachs von 22 Prozent entspricht. Besonders die Schnellladeinfrastruktur legte kräftig zu: Ein Viertel der Ladepunkte waren Schnellladepunkte mit einer Leistung von mehr als 22 Kilowatt (kW).
Dazu gehören auch die Ultraschnelllader, Ladepunkte mit sehr hoher Leistung über 149 kW bzw. 800 Volt, an denen sich E-Wagen innerhalb von nur 20 Minuten zu 80 Prozent laden lassen.
Mythos 4: Die Auswahl an E-Fahrzeugen ist zu gering
Lange Zeit galt ein zu geringes Angebot an E-Fahrzeugen als ein gewichtiges Argument gegen die Elektromobilität. Inzwischen gibt es in jeder Kategorie eine große Auswahl an Modellen unterschiedlicher Preisklassen. Das liegt auch am wachsenden Angebot ausländischer Hersteller. „Insgesamt ist das Angebot an Elektrofahrzeugen so groß wie noch nie“, sagt Deutsche-Leasing-Berater Jörg Thomassek. Der Fuhrparkmanagement-Experte empfiehlt Unternehmen, sich dem Angebot ausländischer Anbieter zu öffnen. Seiner Meinung nach beschränken sich zu viele Firmen in punkto Fuhrparks bislang auf die heimische Industrie. Mit welchen 5 Tipps Unternehmen ihren Fuhrpark auf Vordermann bringen, können Sie im Interview nachlesen.
Mythos 5: E-Auto-Akkus und ihre Produktion sind nicht nachhaltig
Richtig ist: Batterien von E-Autos brauchen in der Produktion viel Energie und viele, manchmal auch sehr seltene Rohstoffe. Entscheidend für die Nachhaltigkeit eines Antriebs ist aber auch, wie umweltfreundlich er über sein ganzes Leben arbeitet. Laut einer Studie des Umweltbundesamtes weist ein Elektrofahrzeug über seine durchschnittliche Lebensdauer von etwa 20 Jahren hinweg 15 bis 30 Prozent niedrigere Emissionen auf als ein vergleichbarer Verbrenner-Pkw. Bereits nach 45.000 Kilometern bis 60.000 Kilometern besitzen Elektroautos, je nach Modell, Fahrverhalten und Streckenprofil eine bessere Klimabilanz als vergleichbare Verbrenner. Ein Grund dafür ist die höhere Effizienz des Elektromotors und die Möglichkeit, den Wagen mit grünem Strom zu laden. Hersteller produzieren inzwischen besonders langlebige, recycelbare Akkus.
Die Praxis zeigt auch: Die Batterien der bisherigen E-Auto-Generationen sind haltbarer als anfangs erwartet. Nach 100.000 gefahrenen Kilometern verlieren sie im Durchschnitt etwa nur fünf Prozent ihrer Kapazität, nach 250.000 Kilometern lediglich rund zehn Prozent.
E-Fahrzeuge werden zunehmend auf Kreislaufwirtschaft ausgerichtet. Dadurch verlängert sich ihre Nutzung noch über mehrere Jahre. Mittlerweile ist möglich, bis zu 96 Prozent der Bestandteile eines Akkus zurückzugewinnen. Ausgemusterte Akkus erhalten inzwischen oft ein zweites Leben, verschiedene Anbieter wie Voltfang bereiten sie beispielsweise als Reservespeicher bei Photovoltaikanlagen auf.
Fazit: Der Markt schwenkt um
Langsam dringt durch, dass E-Autos inzwischen wirtschaftlich wettbewerbsfähig und alltagstauglich sind. Viele Mythen sind überholt und man sollte sich nicht durch die politischen Unsicherheiten beirren lassen. Das beweisen auch die vielen Neuzulassungen bei den Personenkraftwagen mit 43 Prozent mehr gegenüber dem Vorjahr (2024) laut Kraftfahrt-Bundesamt, besonders im Flottenmarkt zeichnet sich ein klarer Trend ab: Eine Prognose des Marktforschungsunternehmens Dataforce geht davon aus, dass Elektroautos 2026 erstmals die meistgewählte Antriebsart bei Firmenwagen-Neuzulassungen in Deutschland sein werden.
Waren Fahrzeuge mit Elektromobilität noch vor wenigen Jahren eine kostenintensive Entscheidung, die im Firmenalltag zahlreiche Herausforderungen mit sich brachten, sprechen heute immer mehr Vorteile für den Alternativantrieb. Die Deutsche Leasing berät Unternehmen umfassend, wie sie ihre Fahrzeugflotte weiter entwickeln können ohne, dass es zulasten der Wirtschaftlichkeit geht. Unsere Expertinnen und Experten helfen gerne weiter.


